skip to Main Content

Start-ups: Welche Chancen ein Börsengang bietet

Das IPO-Geschäft brummt – auch in Europa. Bild: © Christoph Schmidt / dpa

Obwohl das IPO-Geschäft boomt, planen nur wenige Start-ups den Börsengang. Dabei ist das eine interessante Option.

Ende der Woche werden erstmals die Aktien von Delivery Hero an der Frankfurter Börse gehandelt. Läuft alles nach Plan, startet der Essenslieferdienst mit einer Milliarden-Bewertung auf dem Parkett. Tatsächlich boomt das internationale IPO-Geschäft. Allein im ersten Halbjahr stieg die Zahl der Börsengänge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weltweit um 70 Prozent auf 772, das Emissionsvolumen wuchs sogar um 90 Prozent auf 83,4 Milliarden US-Dollar. Gemessen an der Zahl der Börsengänge handelte es sich um das stärkste erste Halbjahr seit 2007. Das sind Ergebnisse des aktuellen weltweiten IPO-Barometers von Ernst & Young.

Ähnlich positiv zeigt sich der IPO-Markt in in Europa: „Zurzeit entwickeln sich sowohl die Börsen als auch die Konjunktur in Europa positiv. Die politischen Risiken sind spürbar gesunken, und trotz der Unwägbarkeiten, die mit den anstehenden Brexit-Verhandlungen verbunden sind, sehen wir ein hohes Konsumentenvertrauen, steigende Unternehmensgewinne und eine zunehmende Investitionsbereitschaft aufseiten der Unternehmen. Das sind gute Rahmenbedingungen für den IPO-Markt“, erklärt Dr. Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY.

Start-ups: Börsengänge sind die Ausnahme

Bei Start-ups hingegen sind Börsengänge hierzulande bislang immer noch eine Seltenheit. Lediglich 14 Prozent der Start-up-Gründer geben an, dass sie einen Gang aufs Börsenparkett für denkbar halten. Ebenso viele schließen einen Börsengang für ihr Start-up aber grundsätzlich aus, für zwei Drittel ist er aktuell kein Thema. Vor einem Jahr lag der Anteil der Start-ups, die sich einen Börsengang vorstellen können, mit 37 Prozent fast dreimal so hoch. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 250 Start-up-Gründern.

„Ein Börsengang ist vom Aufwand her nicht zu unterschätzen und sicher nur für wenige Start-ups eine reale Option, etwa um ihre Internationalisierung zu finanzieren. Ein Start-up, das in globalen Dimensionen denkt, muss eine solche Möglichkeit aber in Erwägung ziehen“, sagt Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp. „Jeder erfolgreiche Börsengang ist ein wichtiges Signal für die deutsche Start-up-Szene.“

Interessante Wachstumsfinanzierung

Dabei könne ein Börsengang eine sehr interessante Möglichkeit der Wachstumsfinanzierung für Start-ups sein, um die Expansion zu finanzieren – vor allem wenn andere Finanzierungsmöglichkeiten rar sind, schreiben die Studienautoren. So teilt gerade einmal jeder zweite Gründer die Meinung, dass in Deutschland genug Venture Capital zur Verfügung steht. Dennoch sind Start-ups durchaus wählerisch, wenn es um die Investorensuche geht. Drei Viertel betonen, dass sie bei der Suche nach Investoren besonders darauf achten, dass sie Expertise für die eigene Branche mitbringen. Jeder Zweite würde einen Geldgeber aus Deutschland bevorzugen.

Doch genau hier hapert es oft. „Auch wenn Deutschland für die große Mehrheit der Gründer ein attraktiver Standort ist, hat die Politik gerade bei den Themen Finanzierung, Regulierung und Fachkräfte die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern. Ziel muss sein, dass Deutschland international zu einem Magneten für Gründer wird“, so Veltkamp.

USA verlieren an Attraktivität

Ein Start-up in den USA zu gründen – das ist aktuell nur für eine kleine Minderheit der deutschen Gründer ein Traum. Gerade einmal 15 Prozent würde es in die Vereinigten Staaten ziehen, wenn sie den Standort ihres Start-ups noch einmal wählen könnten. Vor einem Jahr lag der Anteil mit 32 Prozent noch mehr als doppelt so hoch.

„In den Ergebnissen spiegelt sich mit Sicherheit der Trump-Effekt wider. Die USA haben für Start-ups massiv an Anziehungskraft verloren, gleichwohl sind dort die Bedingungen was Finanzierungsmöglichkeiten, Netzwerke und den Absatzmarkt angeht weiterhin sehr gut“, erklärt der Bitkom-Geschäftsleiter.

Der Beitrag Start-ups: Welche Chancen ein Börsengang bietet erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.

Back To Top