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Kleine und mittlere Unternehmen zeigen viel Verantwortung

Kleine und mittlere Unternehmen tragen große Verantwortung in den Bereichen Gesellschaft, Ökologie und Personal. Sie prägen u. a. die lokale Gemeinschaft, unterstützen gemeinnützige Projekte und sind im Umweltschutz aktiv. Sie tragen also unternehmerische Verantwortung in Form von Corporate Social Responsibility (CSR).

Kleine und mittlere Unternehmen engagieren sich vielfältig in der Region – auch bei der Schonung von Ressourcen und beim Schutz der Umwelt. Bild: © Cagri Oner / iStock.com

Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Studie am Beispiel Schleswig-Holsteins. Die Untersuchung aus 2018 wurde vom Kieler Center for Philosophy, Politics and Economics (KCPPE) an der Christian-Albrechts-Universität durchgeführt. Finanziert wurde das Forschungsprojekt von der Staatskanzlei im Zuge der Landesentwicklungsstrategie „Schleswig-Holstein 2030.“

Die meisten Erwerbstätigen arbeiten in KMU

Die kleinen und mittleren Unternehmen haben weniger als zehn, 50 oder 250 Beschäftigte und sie erzielen weniger als zwei, zehn oder 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Dennoch sind 60,7 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland (rund 76 Prozent in Schleswig-Holstein) in kleineren und mittleren Unternehmen beschäftigt. Ihr gesellschaftliches Engagement wurde auf Landesebene bislang nicht. Die bisherige Forschung konzentrierte sich weitgehend auf große und multinationale Konzerne, die ihren Einsatz medienwirksamer vermarkten können. „Kleine und mittlere Unternehmen sind jedoch viel erfolgreicher bei der Implementierung und Umsetzung von CSR“, berichtet Projektleiter Dr. Alexander Lorch.

Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft bewusst

Seine Studie mache deutlich, dass sich kleine und mittlere Unternehmen ihrer Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft bewusst seien und ihre Rolle über die als regionaler Arbeitgeber hinausgehe: „Kleine und mittlere Unternehmen sind deutlich flexibler, näher an den Kunden und direkter in das lokale Gemeinwesen eingebettet. Sie kennen die Probleme und Wünsche der Menschen vor Ort und in der Region und können so gezielter darauf reagieren. Damit leisten sie einen nicht zu unterschätzenden Beitrag im Bereich der unternehmerischen Verantwortung“, so Lorch weiter. Und diese Verantwortung kommt laut Studie zu 75 Prozent den Kommunen und Gemeinden zugute.

Überraschend war für die Forscher der Uni Kiel, dass die Unternehmen dabei vielfach auch auf moderne Formen des Engagements zurückgreifen. Dazu zählen zum Beispiel Corporate Volunteering, also betriebliche Freiwilligenprogramme. Rund 60 Prozent der kleinen und mittleren Firmen wollen damit ihre Beschäftigten bei der Ausübung von Ehrenämtern unterstützen oder stellen kostenlose Dienstleistungen zur Verfügung. Eine weitere wertvolle Erkenntnis zeigte sich beim Thema Personalpolitik: Obwohl den Unternehmen vor Ort der Fachkräftemangel (80 Prozent) und die Abwanderung junger Menschen (44 Prozent) Sorgen bereiten, setzen sie ihre CSR-Aktivitäten eher zur Mitarbeitermotivation als zur Gewinnung neuer Fachkräfte ein. „Darin sehen wir großes Potenzial für die Unternehmen. Mit ihrem gesellschaftlichen Engagement könnten sie sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren und engagierte junge Menschen in der Region halten“, sagt Projektmitarbeiter Martin Kunze.

Staat könnte mehr Anreize schaffen

Insgesamt 463 kleinere und mittlere Unternehmen mit Sitz in Schleswig-Holstein wurden 2017 telefonisch und anonym befragt. Dabei zeigte sich auch: Die Firmen setzten sich auch damit auseinander, welche Herausforderungen in Schleswig-Holstein zu meistern sind und wie die Politik das gesellschaftliche Engagement fördern kann. So erschweren den Unternehmen nach eigenen Aussagen vor allem fehlende zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen das gesellschaftliche Engagement. Dagegen können staatliche Förderungen, steuerliche Vorteile und der Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen das gesellschaftliche Engagement stärken.

Die Empfehlung der Forscher an die Politik lautet daher: „Das gesellschaftliche Engagement kleinerer und mittlerer Unternehmen muss in der Landes- und Kommunalpolitik wahrgenommen werden und Eingang in die Nachhaltigkeitsstrategien finden, indem nicht nur Empfehlungen für große, sondern auch für kleine und mittlere Unternehmen herausgegeben werden. Zusätzlich können die Auslobung von Preisen für unternehmerisches Engagement oder die Berücksichtigung dieses Engagements in öffentlichen Vergaberichtlinien wichtige Anreize setzen“, empfiehlt Lorch und erinnert an den Grundsatz „Tue Gutes und rede darüber“. „Die Herstellung von Öffentlichkeit sorgt für Anerkennung und letztlich auch für unverzichtbare Werbung“, schließt Lorch.

Kernergebnisse im Bereich Gesellschaft

Das gesellschaftliche Engagement von kleinen und mittleren Unternehmen findet überwiegend vor Ort und der Region statt. 95 Prozent engagieren sich gesellschaftlich – 75 Prozent davon in der Kommune. Rund 70 Prozent spenden Geld, rund 60 Prozent setzen auf Corporate Volunteering.

Kernergebnisse im Bereich Personal

Die wichtige Bedeutung der Mitarbeiter spiegele sich auch in CSR-Aktivitäten. CSR werde dabei als Instrument zur Steigerung der Mitarbeitermotivation angesehen, nicht aber als Instrument der Mitarbeitergewinnung. Dies deutee auf ungenutztes Potenzial hin, das dem Fachkräftemangel und auch der Abwanderung junger Menschen aus der Region entgegenwirken könnte. 97 Prozent der befragten Firmen böten laut Uni Kiel ihren Mitarbeitern Leistungen über das gesetzlich Erforderliche hinaus an. Knapp über 80 Prozent der Firmen unterstützten Mitarbeiter bei sozialen Problemen. Mehr als 70 Prozent leisteten zusätzliche Beiträge zur Altersvorsorge, so die Studie weiter.

Kernergebnisse im Bereich Umwelt

Auch die Themen Ökologie und Umweltschutz haben für kleinen und mittleren Unternehmen hohe Relevanz. „Energieeffizienz und Energieeinsparung“ sowie „Umwelt- und Naturschutz“ werden von jeweils knapp 80 Prozent der befragten Unternehmen als wichtig und sehr wichtig eingeschätzt. Über 80 Prozent achten auf die Energieeffizienz von Gebäuden. Rund 75 Prozent versuchen, Abfälle und Emissionen zu reduzieren. Knapp über 33 Prozent greifen dabei auf branchenspezifische Umweltstandards zurück.

Kontakt:

Dr. Alexander Lorch, Kiel Center for Philosophy, Politics and Economics, E-Mail: lorch@philsem.uni-kiel.de; Telefon: (0431/) 80-2829

Der Beitrag Kleine und mittlere Unternehmen zeigen viel Verantwortung erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.

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