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Flugzeugbranche: Keine rosigen Zeiten in der Luft

Keine rosigen Zeiten für die Flugzeugbranche. Bild: © airberlin

Air Berlin, Niki, Ryanair – die Flugzeugbranche beherrscht die Nachrichten mit Insolvenzverfahren, Flugausfällen und Bieter-Gesprächen. Nach Air Berlin droht nun auch der Air-Berlin-Tochter Niki Ungemach. Laut der Bild scheine Niki spätestens im November insolvent zu sein.

Fraglich sind gerade die Hintergründe der momentanen Situation in der Flugzeugbranche. Neben Air Berlin sind es auch andere internationale Airlines, wie Cathay Pacific aus Hong Kong, Etihad aus Abu Dhabi und Singapore Airlines aus Singapur, die Verluste verzeichnen.

Die Margen sind zu gering, die Personalkosten zu hoch

„Es herrscht ein globaler Verdrängungswettbewerb“, erklärt Tobias Hartwig, Insolvenzverwalter und selbst im Besitz einer Pilotenlizenz. In anderen Worten verlieren gerade die deutschen Airlines ihren Marktanteil mehr und mehr. Außerdem herrschen enorme finanzielle Probleme. Diese liegen zum Einen daran, dass die Gewinnmargen der meisten Airlines mit nur fünf Prozent zu gering sind. „Eine Airline benötigt eine Netto-Marge von sieben bis acht Prozent, um die Kapitalkosten zu erwirtschaften“, so Hartwig. Zum Anderen liegen die Löhne der Angestellten in deutschen Fluggesellschaften teilweise bis zu 50% höher, als jene bei zum Beispiel Ryan Air oder ähnlichen Airlines.

Umstrukturierungen führen zu Problemen

Abgesehen von den finanziellen Problemen und dem starken Wettbewerb, mit dem gerade die deutschen Airlines zu kämpfen haben, sind es auch Umstrukturierungen, die zum Teil fatale Folgen haben. Im Falle von Air Berlin war es die Entscheidung vom Ferienflieger, bzw. „Mallorca-Shuttle“, plötzlich zum Linienflieger zu werden und damit andere Segmente zu bedienen, die die Airline stark beeinträchtigte. „Die Insolvenz von Air Berlin ist nach meiner Einschätzung auf eine unklare Strategie zurückzuführen, die das Unternehmen seit dem Börsengang 2006 an den Tag gelegt hat.“, erklärt Tobias Hartwig.

Insolvenzverfahren bieten Airlines Möglichkeit der Neupositionierung

Ein Blick in die amerikanischen Fluggesellschaften, die sich durch Insolvenzverfahren neu strukturiert und positioniert haben zeigt, dass ein solches Verfahren einer Airline gut tut. In den USA haben Fluggesellschaften „teilweise radikale Strategiewechsel vollzogen und Kosten eingespart, etwa durch Fusionen und die damit zusammenhängenden Synergien. Vor allem aber durch Personal-Optimierungen.“, erklärt Hartwig.

In Deutschland können im Zuge von Insolvenzverfahren nicht nur Leasing-Verträge ohne Einhaltung der Kündigungsfrist beendet werden, sondern auch Maschinen, die nicht mehr gebraucht werden, einfach zurückgegeben werden. Kein Wunder also, dass dadurch das operative Geschäft erheblich entlastet wird.

Im Falle von Air Berlin wird es genau dazu kommen, meint Hartwig. „Meine Schätzung ist, dass von den insgesamt 145 Maschinen mindestens 40 auf der Strecke bleiben. Das wird nicht ohne Folgen für die Leasing-Geber bleiben. Interessant wird sicher auch sein, was mit den Arbeitnehmern passieren wird. Voraussetzung für eine Übertragung der „Slots“ ist eine Übernahme des Unternehmens wenigstens in Teilen. Das gibt eine EU-Verordnung vor. Und in dem Falle hätten die Beteiligten das Thema eines Betriebsübergangs nach § 613a BGB zu lösen.“

Die Zukunft bleibt gelb

Tobias Hartwig ist sich sicher: „Ich bin davon überzeugt, dass sich der Trend fortsetzen wird und die deutschen Gesellschaften weiter Marktanteile verlieren.“ Laut ihm, werde das so lange andauern, bis der Markt komplett konsolidiert ist. Eins wird aber bleiben: Aufgrund der hohen Qualität, wird sich die Lufthansa weiterhin behaupten können.

Der Gesprächspartner Tobias Hartwig ist Insolvenzverwalter bei Schultze & Braun und Privatpilot mit europäischer Lizenz und beschäftigt sich mit Finanzierungsmodellen von Flugzeugen und deren Verwertung. Seinen kompletten Beitrag über die Entwicklungen des Flugzeugmarktes lesen Sie in return 03/17.

Der Beitrag Flugzeugbranche: Keine rosigen Zeiten in der Luft erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.

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