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Fachkräftemangel bremst den Mittelstand aus

Vier von fünf mittelständischen Unternehmen haben Probleme bei der Suche nach Mitarbeitern. Der Fachkräftemangel beschert jeder zweiten Firma Umsatzeinbußen. Flüchtlinge könnten das Personalproblem abmildern, glauben die meisten Firmenchefs.

Vom Fachkräftemangel sind besonders die Branchen Transport und Verkehr sowie der Bau betroffen, so die neue EY-Studie. Bild: DOC RABE Media | Fotolia

Der Anteil der Unternehmen, die große Probleme bei der Rekrutierung von Fachkräften haben, hat sich seit 2015 von 16 Prozent auf aktuell 27 Prozent erhöht. Weitere 53 Prozent geben an, dass ihnen die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern „eher schwer“ fällt.

Der Arbeitsmarkt ist so gut wie leergefegt

Der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Das kostet die Unternehmen viel Geld. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Mittelständler beklagt Umsatzeinbußen aufgrund des Fachkräftemangels – 2017 waren es noch 53 Prozent, im Jahr davor 49 Prozent. Insgesamt entgehen dem deutschen Mittelstand dadurch hochgerechnet 53,4 Milliarden Euro im Jahr.

Diese Zahlen weist das aktuelle Mittelstandsbarometer „Fachkräftemangel und Flüchtlingsintegration“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) aus. Für die Studie ließ EY eine nach eigenen Angaben repräsentative Befragung von 2.000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland durchführen. Befragt wurden nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitern und mindestens 20 Mio. Euro Umsatz. Dabei handelte es sich um eine telefonische Befragung Ende 2017 bzw. Anfang 2018 durch Valid Research.

Arbeitsmarkt bremst das Wirtschaftswachstum

Die Studie zeigt: Mittelständler würden am liebsten auf Rekordniveau neue Mitarbeiter einstellen. 36 Prozent planen, im ersten Halbjahr 2018 ihre Belegschaft aufzustocken – so viele wie noch nie seit Beginn der Befragung. Allerdings setzt der Arbeitsmarkt dem Wachstum Grenzen, so Michael Marbler zuständig für den Mittelstand bei EY.

Deutlich mehr Interesse an Flüchtlinge als früher

Die Beschäftigung von Flüchtlingen könnte die Lage lindern. Laut Studie glauben zwei Drittel der Mittelständler, dass Flüchtlinge mittelfristig dazu beitragen werden, den Fachkräftemangel zu mildern – zehn Prozent gehen sogar von einer erheblichen Verbesserung aus. Vor einem Jahr sahen das nur 45 Prozent der Befragten so.

Der Untersuchung zufolge beschäftigt bereits jeder vierte Betrieb (27 Prozent) Flüchtlinge, im Vorjahr waren es 16 Prozent der Mittelständler. Laut EY sind weitere 52 Prozent grundsätzlich bereit, Flüchtlinge zu beschäftigen. Lediglich zehn Prozent der befragten Unternehmen lehnen es rundheraus ab.

Mangelnde Deutschkenntnisse und Qualifikation hohe Hürden

Das größte Defizit seien mangelnde Deutschkenntnisse. Das sehen laut Studie 83 Prozent so. Eine mangelnde Qualifikation nennen 55 Prozent (Vorjahr 46 Prozent) und hohen bürokratischen Aufwand 34 Prozent (37 Prozent) als großes Hindernis.

„Die Integration von geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt erfordert sowohl Zeit als auch Geld. Dies kann am Ende für den deutschen Mittelstand aber ein lohnendes Investment im Kampf gegen den Fachkräftemangel sein – schließlich ist nirgendwo sonst ein so großes Potenzial an möglichen Beschäftigten zu finden“, so Marbler.

Kfz-, Transport- und Baubetriebe mit größten Sorgen

Nach Branchen zeigt sich: Gerade Kfz-, Transport- und Baubetriebe leiden am stärksten. Neun von zehn dieser Unternehmen fällt es schwer, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. „In 72 Prozent der Transport- und Verkehrsunternehmen führt dies bereits zu Umsatzeinbußen. Auch 65 Prozent der Bauunternehmen und jeweils 58 Prozent der Betriebe aus dem Kraftfahrzeugbau und dem Maschinenbau klagen über Umsatzeinbußen“, so die Wirtschaftsprüfer. Anders: Gerade die wachstumsstarken Branchen haben die größten Probleme.

Im Osten drückt das Fachkräfteproblem am stärksten

Probleme bei der Fachkräftesuche haben Unternehmen in ganz Deutschland. Allerdings ist laut EY die Situation in Nordrhein-Westfalen die beste – „allerdings klagen im bevölkerungsreichsten Bundesland immer noch 74 Prozent der Unternehmen über Schwierigkeiten bei der Mitarbeitersuche“. Am schwersten tun sich Mittelständler in den ostdeutschen Bundesländern: 93 Prozent der Unternehmen in Brandenburg, 90 Prozent der Unternehmen in Sachsen-Anhalt und 88 Prozent der Unternehmen in Thüringen berichten von Problemen bei der Fachkräfterekrutierung.

Was tun? Der Studie zufolge setzen die Unternehmen in erster Linie auf eher klassische Instrumente der Mitarbeitergewinnung. Ein Großteil, nämlich 59 Prozent, hofft am ehesten auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Werbung in Online- und Printmedien ist für 46 Prozent das bevorzugte Instrument und in den sozialen Medien sind 35 Prozent in erster Linie aktiv.

 

Der Beitrag Fachkräftemangel bremst den Mittelstand aus erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.

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