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Europas Innovationsfähigkeit driftet auseinander

Forschung und Entwicklung: Schwankende Ausgaben treiben Kluft zwischen europäische Nationen. Bild: ©Pixabay

Nach jeder Wirtschaftskrise werden die Ausgaben der europäischen Länder wieder neu sortiert. Dabei variieren gerade die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. In der Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) wird nun deutlich, dass es dadurch zu einer immer größer werdenden Kluft zwischen den Staaten Europas kommt und sich der Abstand in Europa zwischen hoch innovativen und weniger innovativen Ländern allmählich vergrößert.

Forschung und Entwicklung: Schwankende Ausgaben treiben Kluft zwischen europäische Nationen. Bild: ©Pixabay
Forschung und Entwicklung: Schwankende Ausgaben treiben Kluft zwischen europäische Nationen. Bild: ©Pixabay

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE), die gerade nach Wirtschaftskrisen wieder neu eingestuft und angepasst werden, variieren stark zwischen den europäischen Staaten. Das Resultat sind große Unterschiede der Länder in Europa in Bezug auf ihre Innovationsfähigkeit. In der neuen Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim wird dieses Ergebnis deutlich.

Innovationsnationen, „innovation followers“ & mäßig innovative Länder

Innerhalb der Studie wurden Europanationen angesichts ihrer FuE-Ausgaben in wirtschaftlichen Krisenzeiten gemessen. Dazu wurde auf Basis von Paneldaten aus 26 Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Zeitraum zwischen 1995 und 2015 analysiert, wie sich öffentliche FuE-Ausgaben im Laufe des Konjunkturzyklus ändern, gemessen am realen Bruttoinlandsprodukt (BIP). Im Durchschnitt ist dabei zu beobachten, dass Staaten ihre FuE-Ausgaben stark prozyklisch ausrichten.

Die europäischen Länder lassen sich in Bezug auf ihre Ausgabenstrategie bei öffentlich geförderter FuE in drei Kategorien einteilen:

  • Innovationsnationen: antizyklische Ausgabenstrategie
  • „innovation follower“: prozyklische Ausgabenstrategie
  • Mäßig innovative Länder: prozyklische Ausgabenstrategie

Zudem zeigt sich, dass auch kurz- und langfristige Finanzierungsbedingungen wie Haushaltsüberschüsse und Staatsverschuldung die öffentlichen FuE-Ausgaben beeinflussen.

Die Berechnungen der ZEW-Wissenschaftler/innen kommen zu dem Ergebnis, dass die Wachstumsrate öffentlicher FuE-Ausgaben während einer Krise durchschnittlich 2,5 Prozentpunkte niedriger ist als sonst. Umgekehrt führt ein Anstieg des realen BIP um ein Prozent zu einer Steigerung öffentlicher FuE-Ausgaben um rund 0,2 Prozent.

2,9 Prozent mehr FuE-Ausgaben in Innovationsnationen

Interessant in der Studie sind vor allem die direkten Unterschiede FuE-Ausgaben innerhalb der untersuchten OECD-Länder. Dabei wir klar, dass die Innovationsnationen, wie zum Beispiel Deutschland, Schweden und die Niederlande, aber auch Nicht-EU-Länder, wie USA und Australien, ihre Ausgaben für FuE ganz klar steigern und demnach antizyklisch handelt. Bis zu 2,9 Prozent investieren diese Nationen mehr in FuE, wenn sie sich in einer wirtschaftlichen Krisenzeit befinden.

Die „innovation follower“ jedoch, also Frankreich oder Österreich und die mäßig innovativen Länder, wie zum Beispiel Spanien und Portugal, kürzen ihre FuE-Ausgaben in Krisenzeiten drastisch – ein klares Merkmal der prozyklischen Haushaltspolitik. Die Studie zeigt darüber hinaus, dass ein Anstieg des Haushaltsüberschusses um einen Prozentpunkt des realen BIP die öffentlichen FuE-Ausgaben kurzfristig um bis zu 0,8 Prozent wachsen lässt. Zunehmende Staatsverschuldung hat wiederum dazu geführt, dass in den für die Studie beobachteten zwei Jahrzehnten öffentliche Investitionen in FuE kontinuierlich gesunken sind.

Hohe Schuldenstände erhöhen den Druck auf Staaten

„Die Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 hat zuletzt gezeigt, dass sich der Abstand in Europa zwischen hoch innovativen und weniger innovativen Ländern allmählich vergrößert“, sagt Dr. Georg Licht, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“, sowie einer der Autoren der Studie. „Innovationen entstehen aus Forschung und Entwicklung, beides ist ein wichtiger Motor für Produktivität und Wachstum. Durch die ‚Innovationskluft‘ in Europa droht das Produktivitätsgefälle zwischen den Ländern jedoch noch größer zu werden“, sagt Licht. Angesichts der weltweiten Produktivitätsschwäche, die seit Jahren anhält, sollte die Politik indes vor hohen FuE-Ausgaben nicht zurückschrecken.

Allerdings kommt erschwerend hinzu, dass hohe Schuldenstände den Druck auf Staaten erhöhen, ihren Haushalt zu konsolidieren. „Damit werden Einschnitte bei öffentlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung wahrscheinlicher“, erklärt Georg Licht.

Der Beitrag Europas Innovationsfähigkeit driftet auseinander erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.

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